Projekt und Produkte – Eine Lehre aus der Elbphilharmonie(?)

Projekt und Produkte – Eine Lehre aus der Elbphilharmonie(?)

Ich war neulich in Hamburg – man kommt ja gar nicht umhin, die Elbphilharmonie zu bestaunen. Sieht schon beeindruckend aus und wenn das ganze Thema erst mal über die Bühne ist, bleibt das Bauwerk. Der Schmerz wird vergehen. Wie immer …

Ein Abstecher nach Australien – andere Länder, gleiche Probleme

Die Oper in Sydney. Wir schreiben das Jahr

1959. Die Baufirma sollte mit den Bauarbeiten beginnen, bevor sämtliche Kostenanalysen und alle technischen Probleme gelöst waren. Man hatte es eilig. Dies trug dazu bei, dass die ursprünglich festgesetzten Baukosten von 3,5 Millionen Pfund am Ende bei über 50 Millionen Pfund lagen und der Termin der Fertigstellung von 1965 auf das Jahr 1973 verschoben werden musste (Quelle: Wikipedia). Wie gesagt, man hatte es eilig …

Derweil zurück in Hamburg …

Spiegel online zitiert den aktuellen Bericht des Untersuchungsausschusses, der jetzt im Januar veröffentlicht wird:
[…] Die wichtigsten Fehler waren unter anderem:

  • Das Projekt Elbphilharmonie wurde 2006 überhastet ausgeschrieben, obwohl die Bauplanung noch nicht fertig war.
  • Weil die Bauplanung zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe noch nicht fertiggestellt war, [entstand die] "chaotische Situation einer aufwendigeren Planung parallel zum Bau". Zudem widersprachen sich die Pläne für die Konzertsäle und den ebenfalls im Gebäude geplanten kommerziellen Bereich in vielen Punkten.

Jetzt trösten sich alle in Hamburg, dass am Ende, wenn die Millionen verbrannt sind, das Ergebnis bleiben wird. In ein paar Jahren regt sich dann niemand mehr über Klobürsten zum Stückpreis von 261 Euro auf … 

Ein geiles Produkt allein macht kein gutes Projekt

„Das Ergebnis zählt.“ „Rummäkeln am Projekt ist was für Kleingeister und Erbsenzähler.“ Diese Einstellungen schwingen da – bewusst oder unbewusst, stumm oder ausgesprochen – mit.

Aber Achtung! Sydney und Hamburg sind keine kommerziellen Projekte. Am Ende ist immer genug Geld (von uns allen) da, diese Sünden zu bezahlen. Vorsicht ist geboten, wenn Sie diese Argumentation in einer betrieblichen Produktentwicklung hören. Wenn gerade wieder der Kostenrahmen gesprengt wurde. Zwar doppelt so teuer, aber dafür wird das „‘ne geile Kiste“, wie ein Produktmanager jüngst in einem Automotiveprojekt bemerkte. Die Insolvenzverwalter können da ganz viele Geschichten erzählen …

Die großen öffentlichen Projekte sind definitiv nicht die besten Vorbilder, was Projektmanagement angeht. Nicht nur wegen ihrer Un-Professionalität, sondern weil sie sich schlussendlich nur aufs Produkt konzentrieren. Das können wir uns im betrieblichen Alltag nicht erlauben.