Zielverantwortung des Projektleiters

Eine Frage ist schon der Theorie nicht ganz einfach und in der Realität noch viel weniger: Was verantwortet eigentlich der Projektleiter? Und wie ist seine Rolle ausgestaltet?

Im Dunkeln ist gut Munkeln

In der Praxis begegnen einem die abenteuerlichsten Konstruktionen, von der Doppelspitze über den „Nur-technischen-Projektleiter“ bis hin zum „Projektkoordinator“ oder auch Kümmerer. Dabei gilt: Je abenteuerlicher, desto undurchsichtiger – und desto unklarer, wer für was verantwortlich ist. Und da der Erfolg viele Väter hat, der Misserfolg aber ein Waisenkind ist, begünstigen undurchsichtige Rollendefinitionen das Waisenhaus.

Langfristiger Nutzen oder „nur“ Liefergegenstände?

Aber auch in einer starken Matrix verantwortet der Projektleiter nicht den langfristigen Nutzen, sondern die hoffentlich zu Beginn des Projekts vereinbarten Lieferungen (Liefergegenstände). Die müssen am Ende da sein, die machen seinen Projekterfolg oder ‑misserfolg aus. Und zwar zu den im Projektmanagementplan vereinbarten finanziellen und zeitlichen Rahmenbedingungen, dem klassischen magischen Dreieck. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Alles in einem – aber nur, wenn es ausdrücklich vereinbart oder agil ist

In etlichen Organisationen wird aber auch die langfristige (Produkt-) Zielerreichung von einem Projektleiter erwartet. Dann ist diese Person aber nur zu einem Teil Projektleiter. Ein anderer Teil dieser Person ist dann Accountmanager, Geschäftsfeld-, Produkt- oder Bereichsverantwortlicher. Personalunionen sind nicht falsch, Sie müssen sie nur erkennen und abgrenzen.

Hinweis agil: In agilen Umgebungen (z.B. SCRUM) verantwortet ein Product Owner das Ergebnis – auch den langfristigen Erfolg. Ein klassischer Projektleiter ist bei pure-SCRUM übrigens gar nicht mehr zu finden.

Wie verhält sich das PM-Rollenbild im PMP-Examen?

Klar klassisch, also Verantwortung auf Liefergegenstände, deren Erfüllung am Ende des Projektes messbar sein muss. Das Projekt kennt seinen Beitrag zum strategischen Nutzen der Trägerorgansiation, liefert einen Beitrag, verantwortet aber nicht den Nutzen. Wenn ich als PM also ein Produkt abliefere, das haargenau den Vorgaben entspricht, alles wunderbar in time und in budget erledige aber das Produkt floppt, war ich mit meinem Projekt trotzdem erfolgreich.